Donnerstag, 25. August 2016

Astra Museum, Sibiu

Ich hatte nach dem interessanten Tag gestern gut geschlafen und morgens entsprechend Hunger.

Zum Glück war das Frühstücksbuffet gut bestückt, da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ich habe kräftig zugeschlagen und sowohl herzhafte als auch süße Sachen probiert. Und dabei schon mal überlegt, was ich heute unternehmen wollte...

Frühstück im Hotel Imparatul Romanilor


Es ist alles für viele Menschen eingerichtet, große und kleinere Tische, zwei WMF Kaffeemaschinen mit Möglichkeit, frischen Espresso, Latte Macchiato, Cappuccino usw. in die Tasse zu lassen. Tee gab's auch. Frisches Gebäck und eine Anzahl verschiedene Kuchen, eine schöne Auswahl.

Frühstücksraum im Hotel Imparatul Romanilor Römischer Kaiser, Sibiu

Absolut zu empfehlen sind die süßen Wassermelonenstücke, die auf dem oberen Foto auf der Theke als Dreiecke geschnitten zu erkennen sind. So schmackhafte Melonen hatte ich noch selten in meinem Leben.

Ich mag es, wenn man schon beim Hotelfrühstück einen Eindruck der typischen Landesküche bekommt. 


Frühstücksbuffet im Hotel Imparatul Romanilor Römischer Kaiser, Sibiu
Gut geschmeckt hat mir auch der würzige Schafskäse, der super zu den Tomaten und Gurken aber auch zu den Wassermelonen passte. Die wie Salami aussehende Wurst war allerdings nicht so ganz nach meinem Geschmack.

Frühstück im Hotel Imparatul Romanilor Römischer Kaiser, Sibiu

Der Frühstücksraum war beeindruckend, da sich das Dach öffnen lässt!

So war man zwar mitten im Gebäude in einem altertümlichen Ambiente in retrokaiserlichen Stil aber mit Blick auf strahlend blauen Himmel!

Frühstücksraum im Hotel Imparatul Romanilor Römischer Kaiser, Sibiu

Während des Frühstücks machte ich mich nebenbei an die Tagesplanung. Nachdem ich am ersten Tag, obwohl ich ja erst nachmittags angereist war, schon fast die ganze Altstadt erkundet hatte und das Wetter so traumhaft schön war, beschloss ich, das Freilichtmuseum Astra zu besuchen, das etwas außerhalb von Sibiu ist.

Das war auch die richtige Entscheidung, es ist schön grün und ländlich dort, was einen guten Kontrast zur Stadt bringt. Ich kann es jedem empfehlen.

Fahrt zum Astra-Museum mit dem Linienbus


Bus Nr. 13 fährt direkt dahin, zumindest laut einschlägiger Tipps im Internet. Das stimmt so nicht ganz, den letzten Kilometer geht man nämlich zu Fuß, der Bus fährt nur bis zum Zoo.

Google Maps führte mich zur von meinem Hotel aus nächstgelegenen Bushaltestelle namens Nufarul, die an der Stadtmauer liegt und die ich am Vortag schon gesehen hatte, alternativ kann man ab dem Bahnhof fahren. Am Nufarul gab es sogar ein Häuschen mit einer Ticketverkäuferin, die mir für jeweils 1,5 Lei zwei Tickets verkaufte. Für die Rückfahrt hatte ich damit auch gleich ein Ticket; man entwertet im Bus nach dem Einsteigen. An vielen Bushaltestellen gibt es nur Ticketautomaten, dafür braucht man dann Münzen und mehr Zeit, finde ich.

Die bei Google Maps angegebene Abfahrtszeit stimmte jedoch nicht, ich musste eine halbe Stunde warten, bis dann der nächste Bus kam. Mit dem rumänischen Text am Fahrplan kam ich nicht zurecht, meine eigentliche Verbindung fährt wohl nicht immer. Ich hatte mir kurz überlegt, ob ich mit dem Taxi fahren soll (das ist sicher bezahlbar!), mich dann aber doch für die Busfahrt entschieden.

Sibiu - Busbahnhof Nufarul und Entwerten des Tickets

Irgendwann kam dann der Bus Nr. 13 mit Endstation Muzeul Astra und ich habe mir bei Mitfahrern abgeschaut, wie man sein Ticket abstempelt: Man schiebt es in eins der gelben Geräte und drückt dann auf den roten Knopf, der oben dran ist. :-)

Die Fahrt selbst dauert knapp 15 Minuten, der Bus fährt pünktlich.

Ich fand es total interessant, nach draußen zu schauen. Man sieht außerhalb der Altstadt viele Wohnblocks, Läden, Spielplätze, das normale Leben einer Großstadt, die auch in der kommunistischen Zeit geprägt wurde: typische Plattenbauten, allerdings auch alte Villen, teils vernachlässigt, teils renoviert. Man sieht auch viele Bauarbeiten.

Sibiu - Busfahrt ins Astra-Museum

Die meisten Fahrgäste fuhren bis zum Stadtfriedhof von Sibiu. Den hatte ich beim Landeanflug schon gesehen, er ist wirklich sehr groß. Danach bekam ich auch einen Sitzplatz, davor war der Bus relativ voll und ich wollte auch eher die älteren Leute sitzen lassen. Es waren wenig Touristen im Bus, die meisten Besucher des Astra-Museums reisen wohl mit eigenem Auto oder Mietwagen an. Außerdem war es dort auch nicht voll.

An der Endstation der Buslinie 13 weist der Busfahrer einen darauf hin, dass man aussteigen soll. Man kann sie also nicht verpassen!

Man erkennt einen Eingang zum Zoo bzw. ein Schild und das Hilton Hotel auf der linken Seite. Die Endbushaltestelle heißt Dumbrava I. Von dort geht man immer geradeaus auf einem Fuß-/Fahrradweg entlang der Straße, ungefähr einen Kilometer weit bis zum Museumseingang auf der rechten Seite, der so auffällig ist, dass man ihn nicht übersehen kann. Früher gab es hier mal eine kleine Bahnlinie, man sieht die eingewachsenen Gleise noch.



Gegenüber vom Eingang auf der anderen Straßenseite und außerdem hinter dem Eingangsportal direkt am Gebäude sind viele Parkplätze, nur ein Bruchteil war belegt.



Besichtigung des Astra Museums


Das Wetter war so genial, dass es richtig Spaß machte, das Freichlichtmuseum anzuschauen. Man braucht dafür mindestens einen halben Tag, kann aber auch länger darin verweilen: Es gibt die Möglichkeit, zum Essen und Trinken einzukehren, Kaffee zu trinken, Eis zu essen oder auch mal länger Pause zu machen. Gut ausgebaute Wege, insg. 10 km lang, laden zum Spaziergang ein. Ich war ungefähr 4 Stunden im Museum, von ca. 10:45 bis 14:45 Uhr.

Über das Museum kann man sich über die Website informieren (auf Deutsch gibt's ein informatives pdf). Nationaler Museumskomplex Astra heißt eine Sammlung mehrerer Museen, sie wurde bereits 1905 gegründet und gilt als wichtigste ethnomuseale Einrichtung Rumäniens. 1990 neu strukturiert umfasst sie nun vier museale Einheiten sowie weitere Abteilungen, u.a. für Dokumentarfilm oder Restaurierung. Ein Teil dieses Komplexes ist das Freilichtmuseum Astra, das man allgemein Astra-Museum oder Muzeul Astra nennt und das ich besucht habe.

Von Mai bis September ist von Montag bis Sonntag jeweils von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 17 Lei.

Das Freilichtmuseum befindet sich innerhalb eines Naturschutzgebiets und umfasst eine Fläche von 96 ha. Dieser Freilichtbereich entstand 1963 als Museum für bäuerliche Technik. Alte Gehöfte und Gebäude wurden im Laufe der Jahrzehnte aus verschiedensten Teilen Rumäniens zusammen getragen und hier wieder aufgebaut. Die Sammlung wird außerdem ständig erweitert, das sieht ma auch; es gibt Gebäude, die erst erbaut werden und noch nicht besichtigt werden können, weil Handwerker daran arbeiten. Heute kann man über 400 Denkmäler bestaunen, viele kann man besichtigen, einige werden wie gesagt derzeit aufgebaut oder renoviert, diese können nur von außen angeschaut werden.

Es gibt eine Mühlensammlung, zwei beeindruckende Holzkirchen, in denen immer noch Gottesdienste gefeiert werden und viele traditionelle Bauernhöfe. Je nach Region, aus der die Gebäude stammen, wurden sie wieder im Rahmen des Naturschutzgebiets aufgebaut, z.B. ein Fischerensemble aus dem Donau-Delta am Ufer eines Sees oder Berghütten etwas oberhalb im Wald. Neben den Gebäuden bietet das Museum Veranstaltungen und auch Werkstätten, Handwerksdarbietungen und natürlich Gastronomie oder einen Spielplatz.

Das weitläufige Gelände ist gut beschildert, man bekommt zudem zusammen mit der Eintrittskarte einen Plan. Viele Denkmäler und Bereiche sind auf rumänisch und englisch ausführlich beschrieben.











Was ich klasse fand ist, dass die Anwesen, Bauernhöre, Kirchen, Mühlen usw. von Menschen gepflegt werden, die einem zwischendurch auch einmal einen Tipp geben oder etwas zeigen. Das war mir am Anfang nicht ganz klar, als ich in die erste Kirche bin. Mit der Zeit habe ich es kapiert und festgestellt, dass die (meist älteren) Menschen, die dort arbeiten, auch immer wieder anders agieren. Manche interessierten sich gar nicht für mich, andere fanden es schön, dass ich kam, winkten mich zu sich, zeigten mir mit Händen und Füßen, was es dort zu sehen gab. Englisch oder Deutsch konnte irgendwie keiner, aber da ja sehr viel auf Schildern beschriftet ist (auf Rumänisch und Englisch) war das irgendwie auch nett. Ich weiß nicht genau, was wirklich die Aufgabe dieser Damen und Herren war; ich sah jemanden mit der Sense mähen, Blumen schneiden, Staub wischen, Pause machen.

Manche der Gebäude waren liebevoll gepflegt, die Gärten voller Blüten, und die Menschen, die sich darum kümmerten, waren ebenso zuvorkommend und offen und freundlich. Andere strahlten nicht ganz so positive Schwingungen aus; da waren interessanterweise auch die Gärten nicht so schön. In einem der Gehöfte fand ich eine Katzenfamilie, die dort offensichtlich wohnte, mit einer Katzenmutter und kleinen Kätzchen, von denen einige neugierig aus einer Scheunentür schauten.

+++ Baustelle - hier kommt noch was +++

Der Bahnhof von Sibiu 

Es gab ja noch einiges, was ich in Sibiu noch nicht gesehen hatte, also bin ich dorthin zurück. Ich bin diesmal bis zur Endstation zum Hauptbahnhof gefahren, weil ich mir den anschauen wollte.

Bahnhof Sibiu, Rumänien

Dort gab es eine für mich gefühlte Parallelgesellschaft: Einheimische, die von A nach B wollten und eine Masse an jungen Menschen, die mit Interrail o.ä. unterwegs waren, meist Englisch sprachen und sich in der Mitte des Bahnhofsgebäudes versammelt hatten, da es dort offensichtlich kostenloses WLAN gab. Die meisten hatten ihre Laptops ausgebreitet und kommunizierten mit der Welt.

Bahnhof Sibiu, Rumänien

Man kann vom Bahnhof Sibiu in interessante Orte fahren; es gibt Direktverbindungen u.a. nach Moldau oder in die Ukraine. Manche der Züge sahen allerdings nicht übermäßig vertrauenserweckend und komfortabel aus. Aber Hauptsache, sie kommen sicher an.

Bahnhof Sibiu, Rumänien

Ich bin vom Bahnhof zurück in die Innenstadt und habe das Leben auf mich wirken lassen. Es gibt einige einfache Läden mit Gegenständen des täglichen Bedarfs, die mir zum Teil aus China sehr bekannt vor kamen. In Deutschland findet man diese Produkte in Filialen großer Ketten am Stadtrand; hier waren sie mitten im Ort und klassischer Einzelhandel. Nett zu bummeln. Es war Nachmittag, und mir fiel auf, dass viele Menschen sich Gebäck an diesen typischen Bäckereien, über die ich gestern schon geschrieben habe, kauften.

Oder auch in Fastfood-Läden wie diesem, da gab's u.a. Sandwiches, Kebab oder Pizza.

Sehenswürdigkeiten in Sibiu


Auf dem Weg ins Zentrum kommt man an einen Platz mit einer großen Kirche, deren Anbau links im Bild zu erkennen ist.



Die römisch-katholische Ursulinenkirche, St. Ursula Klosterkirche war ursprünglich eine Klosterkirche der Dominikanermönche. 1543 wurde die örtliche Bevölkerung lutherisch und die Klöster in der Region wurden aufgehoben und die Kirchen weiterhin genutzt. Als die Habsburger Siebenbürgen beherrschten, wurde die Kirche den Katholiken zurück gegeben, und zwar den Ursulinenschwestern, die daneben eine Mädchenschule errichteten. Das war 1733. Damals wurde dann die eigentlich im gotischen Stil errichtete Kirche im damals üblichen Barockstil umgebaut. Nur eine kleine Nebenkapelle und die Sakristei sind im Innern noch gotisch, am Äußeren der Kirche erkennt man den ursprünglichen Stil noch am Eingangsportal und Stützpfeilern.


Weiter Richtung Kleiner Ring wollte ich mir im ehemaligen Zeughaus (rechts auf dem folgenden Foto) das Museum für sächsischen Volkskunde ansehen. Es ist ebenfalls Teil des Astra-Museumkomplexes. Ich war der einzige Besucher und der Angestellte dort brachte mich persönlich eine Etage höher und schloss auf, zwei Räume mit Exponaten sind zu sehen. Der Eintritt kostet 5 Lei. Fotografieren darf man nicht. Daneben gibt es einen Museumsshop mit typischen Produkten und Handwerkskunst der Region, der sehr gut besucht war.



Ich wollte Sibiu von oben sehen: Der Ratsturm (Turnul Statului), im 12. Jahrhundert als Teil des zweiten Verteidigungsring der Stadt erbaut, ist täglich zwischen 10 und 20 Uhr geöffnet. Als ich hoch wollte, war allerdings ein Schild dran, dass zwischen 15 und 16 Uhr Pause sei. Man sieht den Turm mittig auf dem folgenden Bild, das ich von der sog. Lügenbrücke aus fotografiert habe.



Also bin ich weiter und kam zur evangelischen Kirche, die einen höheren Turm besitzt. Da bin ich hoch.

Die evangelische Stadtpfarrkirche erinnert an die jahrhundertelange Besiedlung durch die Siebenbürger Sachsen, hier war das geistige Zentrum. Während einer Blütezeit Hermannstadts in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann man mit dem Bau im hochgotischen Stil, 1520 wurde sie nach drei Etappen fertig gestellt.

Der Eintritt kostet 5 Lei. Besichtigen kann man täglich von 9 bis 20 Uhr, sonntags erst ab 11:30 Uhr. Der letzte Eintritt zum Turm ist um 19:30 Uhr.

+++ Baustelle - hier kommt noch was +++


Die Orthodoxe Kathedrale Hl. Dreifaltigkeit wurde nach dem Vorbild der Hagia Sophia in Istanbul zwischen 1902 und 1906 errichtet. Das hatte ich danach gelesen; beim Besuch fiel mir das nicht auf. Es gibt zwei Türme und innen viele Fresken zu sehen.

Das Brukenthal-Palais auf dem Großen Ring in Hermannstadt ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Es gehört zu den bedeutenden Barockgebäuden Rumäniens und beherbergt das älteste Museums des Landes. Samuel von Brukenthal gründete es Ende des 18. Jahrhunderts.

Das Brukenthal-Nationalmuseum besteht inzwischen aus sechs Museumsbereichen in unterschiedlichen Gebäuden, die durch malerische Innenhöfe verbunden sind.

Abendessen - typische rumänische Gerichte

+++ Baustelle - hier kommt noch was +++


Dies ist Teil meines Berichts über eine Kurzreise nach Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien mit Wizzair. Allgemeine Informationen dazu und Links zu den anderen Tagen finden sich in Kürze hier.

Kommentare:

  1. schöne Region, sich entschleunigt mal ganz anders zu erholen. Die historischen Gebäude gefallen mir, sieht zum Teil aus wie aus der Zeit der Gebrüder Grimm.

    Gruss vom WEG

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    1. Ja, das sieht teils echt aus wie aus dem schön eingefärbten Geschichtsbuch oder wie ein Märchen, da hast Du recht!

      Mir hat es dort sehr gut gefallen, sehr entspannt und entschleunigt, vor allem für mich als Tourist. Es gibt auch nicht so viel zu sehen wie in den Megastädten, d.h. man erlebt in zwei Tagen viel und hat das Gefühl, ganz ohne Stress doch ein wenig erkundet zu haben.

      Weiter außerhalb, in den Karpaten, die kleinen Dörfer mit den Wehrkirchen, die würde ich mir auch gerne einmal anschauen. Von oben sah das auch märchenhaft aus.

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Ich freue mich über Kommentare und einen freundlichen Austausch.

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