Mittwoch, 4. Oktober 2017

Stippvisite London

Ich war in meinem Leben schon öfter in London und mag die Stadt zwischendurch sehr gerne. Durch die Themse, die mitten durch fließt, kann man sich gut orientieren und auch wenn ich ein paar Jahre nicht mehr dort war, komme ich irgendwie klar. Außerdem mag ich die öffentlichen Verkehrsmittel, mit der Tube kommt man schnell von A nach B und wenn man mehr Zeit hat und etwas von der Stadt sehen möchte, bieten sich Fahrten auf der Themse oder mit dem typischen Doppelstockbus an.

Das letzte Mal für länger war ich 2009 in London und habe damals auch sehr ausführlich hier auf dem Reiseblog berichtet. Diesmal war ich nur kurz für zwei Tage dort (Feiertag 03. bis 04.10.2017), eher spontan, aber mit vielen Eindrücken, von denen ich ein paar teilen möchte.

London 2017 - Barbara vor Buckingham Palace

Das Foto oben hat übrigens ein netter junger Israeli geschossen, der meinte, durch die ganzen Selfies redet man nicht mehr miteinander. Ich habe ihn dann auch mit seiner Kamera fotografiert und wir haben uns eine Weile unterhalten.

Meine Schwerpunkte diesmal waren (neben ein paar Sights, die man irgendwie immer sehen möchte wie dem Britischen Museum und einem Bummel durch Soho sowie einem obligatorischen Spaziergang Trafalgar Square, The Mall, St James's Park, Buckingham Palace, Houses of Parliaments, Themse entlang) die Tate Modern und das Museum in den Docklands. Darüber mehr.

Tate Gallery of Modern Art


Früher zischten hier Maschinen, heute sieht man große Kunst: Die Tate Gallery of Modern Art ist eines der weltweit größten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst. Abgekürzt sagt man Tate Modern. Die Adresse ist Bankside Power Station, am schönsten ist es wenn man von der St. Paul's Cathedral über die Millennium Bridge auf die Tate Modern zu läuft. Finde ich.



Das Kraftwerk Bankside Power Station, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Zentrum Londons erbaut worden war, wurde dafür umgebaut. Seit dem Jahr 2000, also zeitgleich mit der Brücke, wurde es fertig und beeindruckt zum einen durch die gewaltigen Ausmaße des Gebäudes und zweitens natürlich durch die hochkarätigen Werke der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler.

London 2017 - Tate Modern Halle in der Mitte

Die Tate Modern ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Freitag und Samstag sogar bis 22 Uhr. Der Eintritt ist frei, man bittet aber um eine Spende von 4 £. Dafür bekommt man neben der herausragenden Sammlung auch einen der spektakulärsten und kostengünstigsten Ausblicke, die London zu bieten hat. Dafür fährt man mit dem Aufzug in den obersten Stock. Als ich dort war, war es relativ voll und man musste lange auf einen Aufzug warten.

London 2017 - Aussicht aus der Tate Modern u.a. auf The Shard

Wer sich für moderne Kunst interessiert, kann in der Tate Modern Stunden oder Tage zubringen. Ich habe mir Monets Wasserlilien angeschaut und schnell fotografiert, bevor sich die Menschen davor sammelten, bin dann aber weiter und im Kubismus und Surrealismus hängen geblieben. Man findet auch deutsche Gegenwartskünstler wie Gerhard Richter oder Joseph Beuys.

London 2017 - Claude Monets Wasserlilien in der Tate Modern

Irgendwann schaue ich mir mal den Seerosenteich im Original an (Susanne hat das kürzlich gemacht und berichtet hier darüber).

Mehr als 5 Millionen Besucher jährlich besuchen das Museum und die Ausstellungen. Seit einem guten Jahr ist der Anbau im Switch House eröffnet, das sich seit kurzem nach einem Sponsor Blavatnik Building nennt. Auch hier war das Schweizer Architektenteam Herzog & de Meuron für den Umbau verantwortlich.

Docklands und Museum of London Docklands


Im Osten Londons wurde die letzten Jahrzehnte kräftig saniert. Die 1981 endgültig stillgelegten Docks waren früher das wirtschaftliche Herz des Empire, sie verloren mit Verlegung der Hafenanlagen näher ans Meer ihre Bedeutung und verfielen. Inzwischen sind hier ein großes Geschäftszentrum und neue Wohnungen entstanden, die sich die letzten Jahre gefüllt haben.

London 2017 - Houses of Parliament vom Boot aus

Man kommt entweder (wie ich) mit dem Boot über die Themse bis zum Stopp Canary Wharf fahren (6,30 £ mit der Oyster Card) oder mit der U-Bahnlinie Jubilee fahren oder man benutzt die DLR, Docklands Light Railway, die computergesteuert ohne Zugführer unterwegs ist.

Wie man sieht, war das Wetter nicht so super. Ich bin vom Westminster Pier los und hatte erst überlegt, ob ich die Tower Bridge besteigen soll (die Fußgängerbrücke hat seit 2014 einen Boden aus Glas), habe mich dann aber entschieden, weiter zu fahren.

London 2017 - Tower Bridge vom Boot aus

Ausgestiegen bin ich in Canary Wharf. Dort wurden früher Tomaten und Bananen von den Kanaren gelöscht. Heute dominiert ein 244 Meter hoher Büroturm, bei seiner Fertigstellung 1991 das höchste Gebäude Großbritanniens. Er liegt heute mitten im trendigen Finanzviertel.

Ich habe mich etwas treiben lassen, Businessleute beim Mittagessen beobachtet und bin dann ins Museum of London Docklands. Die Adresse ist No.1 Warehouse, West India Quay. Es kostet keinen Eintritt, man wird aber um eine Spende von 5 £ gebeten, die ich gerne bezahlt habe. Das Museum ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet und hat auch ein Café.

London 2017 - Museum of London Docklands

Das Museum of London Docklands nutzt die letzten noch erhaltenen mehrstöckigen Lagerhäuser aus georgianischer Zeit. Es ist modern aufgemacht und vermittelt die Atmosphäre des Stadtviertels und des Lagerhäusers; der alte Londoner Hafen erwacht darin. Ich denke, dass es auch für Kinder gut geeignet ist.

London 2017 - Museum of London Docklands - Ausstellungen

Man erfährt viel über die Geschichte des Empire und die Zeit des internationalen Seehandels, u.a. über die East India Company und welche Güter aus welchen Ländern nach England gebracht wurden. Zurzeit sieht man eine Ausstellung zum Thema Sklaven.

London 2017 - Museum of London Docklands - Animation

Besonders gut gefallen hat mir, dass die typischen dunklen Gassen des ehemaligen Hafenviertels nachgebaut sind. Man kann gemütlich durch das sog. Sailor Town streifen und sich schaudern oder es genießen.

London 2017 - Museum of London Docklands - Sailor Town

Dabei hört man das Rufen von Straßenhändlern oder kann in eine Kneipe gehen. Außer mir war fast keiner da, das war fast ein wenig unheimlich! ;-)

Zu anderen Zeiten kann es natürlich voller sein. Eigentlich ist das Museum das ganze Jahr über sehenswert, man kann einige Stunden darin verbringen. 

London 2017 - Museum of London Docklands - Modernisation

Ich bin von dort mit der DLR und dem Bus zurück ins Zentrum. Zeit für einen kleinen Imbiss vor meinem Rückflug war natürlich auch noch!

Dim sum in Londons Chinatown


Ich war zufällig zum traditionellen Mondfest bzw. Mittherbst (中秋 Zhōngqiū) in Chinatown, was klasse war. Seit der Ming-Dynastie ist dies eines der wichtigsten Feste. Alles wird zum herbstlichen Vollmond geschmückt und man isst die typischen Mondkuchen mit verschiedenen Füllungen. Ich habe welche gekauft (mit Rotebohnenpaste gefüllt) und mit nach Hause genommen.

London 2017 - Chinatown

Und bevor ich langsam wieder zurück in Richtung Flughafen fuhr, habe ich mir eins der Dim Sum Lokale ausgesucht und ein wenig gegessen. Zu den Auberginen konnte ich auch nicht nein sagen (das Rezept dafür gibt's mehrmals auf meinem Foodblog, und ehrlich gesagt, meine Version schmeckt mir besser) und ich habe eine kleine Auswahl an gefüllten Teigtaschen probiert. Die kleinen Köstlichkeiten gibt es dort überall, und es geht schnell. Nicht so lecker wie in Hongkong, aber ganz okay.

London 2017 - Dim sum in Chinatown

Ja, das war meine Portion. Für mich alleine. Und ich hab's fast geschafft! :-)

Tipps für einen Kurztrip nach London:

  • Mit den derzeitigen Direktflügen der Billig-Gesellschaften machen Kurztrips für ein oder zwei Tage Spaß. Bei so kurzen Touren reise ich nur mit Rucksack und gebe kein Gepäck auf. Ich bin mit Ryanair ab Nürnberg geflogen, früh morgens hin, abends zurück.
  • Personalausweis mitnehmen, man wird kontrolliert. 
  • Man muss Geld wechseln, das Britische Pfund ist die Währung. Ich habe an einem Geldautomaten (ATM) Geld geholt. 
  • Nicht vergessen: England hat andere Steckdosen, also einen Adapter mitnehmen oder das deutsche Ladegerät mit viel Kraft hineindrücken. Oft klappt das. 
  • Wer wenig Zeit hat und in London-Stansted ankommt, kann den Stansted Express nehmen. Tickets dafür gibt es verbilligt bei den Airlines; das wird z.B. bei Ryanair gleich mit angeboten. Die Züge fahren tagsüber alle 15 Minuten, in den frühen Morgen- und späten Abendstunden alle 30 Minuten. Beim Ein- und Aussteigen wird der QR-Code des Tickets gescannt.
  • Um flexibel die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen zu können, gibt es Touristenkarten oder die sog. Oyster Card. Man erhält sie an einem Schalter direkt am Zugang zur U-Bahn an der Liverpool Street (Endstation des Stansted Express). Später kann man an Automaten schauen, wie viel Geld man noch drauf hat und kann sie bei Bedarf aufladen.
  • Wer mit Billigfliegern nur mit Handgepäck reist, sollte sich mit Flüssigkeiten, Messern und auch Marmeladen o.ä. zurückhalten, das wird alles an der Security abgenommen.   
  • Am Nürnberger Flughafen habe ich zwei Damen getroffen, die morgens hin und abends zurück sind. Die Idee dahinter war, in London Tee zu trinken. Sie bezahlten knapp 20 Euro für ihre Flugtickets, dazu kommt noch die Fahrt in die Innenstadt. Der legendäre Afternoon Tea in Großbritannien lohnt so einen kurzen Ausflug auf jeden Fall. Außerdem ist es auch mal was anderes, am deutschen Feiertag in London shoppen zu gehen.  

London 2017 - Ryanair in Stansted

Kommentare:

  1. Liebe Barbara,
    toller Beitrag, der direkt Londonweh bei mir ausgelöst hat! Mein letzter Londonbesuch ist doch tatsächlich auch schon wieder 22 Jahre her! :-)
    Besonders gut gefallen mir die Museumsbeschreibungen und die guten Tipps!
    Herzlichen Dank dafür.
    LG
    Charnette

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    1. Hallo Charnette,
      danke! Ja, mir geht's auch so, dass ich denke, ich war erst vor ein, zwei Jahren in einer Stadt - und dann fange ich zu rechnen an... ;-)
      Nach 22 Jahren macht London bestimmt wieder großen Spaß. Vielleicht ergibt es sich ja für Dich bald einmal.
      LG Barbara

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  2. Liebe Barbara,
    Ich stimme dir vollkommen zu, London lohnt sich auf wenn man nur wenig Zeit hat! Und du hast ein schönes Programm erlebt. Die Aussichtsplattform im Switch House gefällt mir auch sehr gut. So cool, dass sie kostenlos ist! Für tolle Aussichten kann ich auch den Sky Garden empfehlen. Warst du da schon mal?
    Vg Simone

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    1. Hallo Simone,
      London lohnt immer! :-)
      Den Sky Garden habe ich mir aufs nächste Mal aufgehoben; den hatte ich von Deinem Bericht sogar noch im Hinterkopf, wenn ich mich nicht irre. Die Sicht war nicht so super, eigentlich wollte ich mir gar nichts von oben anschauen, in der Tate hat sich das eher zufällig ergeben, war dann aber doch sehr schön.
      LG Barbara

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  3. Liebe Barbara,
    ich war bisher zweimal in London und es war immer wieder sehr schön. Leider konnte ich die Tate Modern nicht besuchen, obwohl ich Museen liebe. Dabei zücke ich auch schnell mein Fotoapparat, wenn gerade keiner mir ins Bild laufen kann. Wird mal Zeit, meine Freunde in London zu besuchen. Dann aber mit Tate Modern.
    Liebe Grüße, Selda.

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    1. Hallo Selda,
      Freunde besuchen ist natürlich ein besonders schöner Anlass, die Stadt zu besuchen!
      Liebe Grüße
      Barbara

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  4. Liebe Barbara,

    das Museum of London Docklands hört sich super interessant an. Ich liebe es, wenn Museen so interaktiv sind. Da könnte ich auch viel Zeit verbringen.

    LG
    Gina

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    1. Hallo Gina,
      die letzten Jahre werden viele Museen immer interaktiver, das hat schon seinen Reiz. Das Museum in den Docklands hat mir auch super gefallen, vor allem auch, weil es relativ leer und ruhig war.
      LG Barbara

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  5. Mir ist gerade so bewusst geworden, dass man tatsächlich so einen Trip an einem Tag für wenig Geld machen kann. Mal kurz zum Tee nach London ist schon ein bisschen dekadent, aber für ein langes Wochenende ist das bestimmt eine gute Idee.
    Viele Grüße
    Bruno

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    1. Hallo Bruno,
      ja, das ist absolut dekadent, aber irgendwie schon cool, wenn man das nicht allzu oft macht. Wenn ich mir anschaue, wie oft Geschäftsleute morgens hin abends zurück fliegen, darf man das als normaler Tourist auch mal, finde ich. Und Teatime in London ist genial. Oder Eis in Rom, Therme-Baden in Budapest, Softeis in Kopenhagen, eine Bootstour durch den Schärengarten in Stockholm, Bibimbap essen in Seoul, einen Burger in New York, - Du merkst, ich habe da zu viele Ideen... ;-)
      Liebe Grüße
      Barbara

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  6. Das machen viele Leute, dass sie früh hin und abends zurück fliegen. Ich auch ab und zu.
    Die Tate Modern ist cool, die alte Tate mag ich aber noch lieber.
    Die Docklands sind wirklich klasse.

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    1. Das ist auch klasse, geschäftlich habe ich so was früher öfter mal gemacht, allerdings in andere Städte.

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  7. Ein toller und informativer Beitrag. Ich war vor sage und schreibe 18 Jahren das letzte Mal in London. Auf die Idee einfach mal für einen Tag hinzufliegen bin ich nie gekommen. Ich schaue gleich mal nach Flugtickets!

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    1. Ich hatte auch mal eine ganz lange Lücke... 24 Jahre, glaube ich... ;-) Zum Glück verändert sich manches nur wenig, Du wirst Dich sofort zurechtfinden!!! Und vieles ist auch schöner und heller geworden.

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  8. Du hast ja unglaublich viele tolle Tipps parat. Wir waren bei unserem London Trip auch in Chinatown essen und sprechen nach fünf Jharen immer noch oft darüber. Das British Museum liebe ich auch 😍

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    1. Chinatown finde ich immer wieder schön, ich versinke da auch in den Supermärkten... Und im Britischen Museum war ich diesmal auch wieder, so ein kurzer Rundgang und ein, zwei besondere Themen gönne ich mir fast jedes Mal. Freut mich, dass es Dir genauso geht!

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  9. Hallo Barbara,
    ach London! Da war ich bis jetzt nur einmal und das mit einem Schüleraustausch. Ich glaube es wird mal wieder Zeit😁!
    Die Tate Gallery möchte ich mir auch unbedingt mal ansehen!
    Danke für die schönen Tipps!
    Lg Miriam von North Star Chronicles

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    1. Hallo Miriam,
      mit dem Schüleraustausch war ich da auch das allererste Mal. Das war viel Sightseeing damals.
      Vielleicht schaffst Du es ja mal, ich hoffe, die Tipps helfen Dir weiter. Viel Spaß dabei!!!
      LG Barbara

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Ich freue mich über Kommentare und einen freundlichen Austausch.

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